Nepal-Räucherungen
Harz, Kraut und Wacholder aus dem Himalaya — geräuchert wie seit Jahrhunderten: morgens auf den Dächern von Kathmandu, auf den Pässen, vor der Hausschwelle.
Was hier steht, ist keine Duftware. Es sind die Pflanzen, mit denen in Nepal und Tibet der Tag begonnen und ein Ort geweiht wird — hochgelegener Wacholder, die harzige Sunpati aus 3.500 bis 5.000 Metern, Beifuß, Sal-Harz, Zedernharz. Roh, ganz oder grob gemahlen, ohne Bindemittel und ohne Bambusstäbchen.
Sang und Dhoop — zwei Worte, zwei Welten
Dhoop ist die kernlose Räucherware Südasiens: Pulver, Kegel, von Hand gerollte Stangen. Sie ist die ältere Form — das Räucherstäbchen mit Bambuskern kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf. Die Wurzeln reichen in die vedische Zeit zurück; schon Atharva- und Rigveda kennen den Opferrauch.
Sang oder Lha-sang ist etwas anderes: die tibetische Rauchopfer-Praxis, älter als der Buddhismus und aus dem Bön stammend, später von Padmasambhava im 8. Jahrhundert übernommen. Man verbrennt Wacholderzweige, oft zusammen mit den „drei Weißen“ und den „drei Süßen“ — Mehl, Butter, Joghurt, Zucker, Melasse, Honig — auf dem Dach, auf einem Hügel oder im gemauerten Sang-Ofen, besonders am 15. Mondtag und zu Losar, dem Neujahrsfest. Sang heißt schlicht: reinigen.
Die drei, die fast immer dabei sind
Hochgebirgswacholder (Juniperus indica, nepali Dhupi, tibetisch Shukpa) wächst zwischen 3.600 und 4.800 Metern. Er ist der Kernstoff jeder Sang-Räucherung — herb, harzig, kühl.
Sunpati (Rhododendron anthopogon) sammeln die Familien im Oktober bis Dezember auf 3.500 bis 5.100 Metern. Blätter und Blüten duften warm, süßlich-balsamisch.
Titepati (Artemisia indica), der nepalesische Beifuß, wächst überall am Weg und ist das Kraut, das die Mischung zusammenhält.
Dazu treten je nach Rezeptur Sal-Harz, das Harz der Himalaya-Zeder, Tejpat-Blatt, Timur und weißes Sandelholz.
Warum „nach Christian Rätsch“
Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch (1957–2022) hat rund achtzehn Jahre in Nepal geforscht. Gemeinsam mit Claudia Müller-Ebeling und dem Heiler Surendra Bahadur Shahi erschien daraus „Schamanismus und Tantra in Nepal“ (AT Verlag 2000) — bis heute das Standardwerk zu diesen Räucherungen im deutschsprachigen Raum.
Die Linie trägt seinen Namen, weil sie auf dieser Feldforschung beruht. Nicht, weil er sie verkauft hätte, und nicht als Empfehlung, die er nie gegeben hat. Wer tiefer einsteigen will, findet bei ihm alles — wir verweisen gern aufs Buch.
Ehrlich gesagt: der Bestand ist endlich
Unser bisheriger Großhändler hat diese Linie aus dem Programm genommen. Was Sie hier sehen, ist Lagerbestand — solange der Vorrat reicht. Wir bauen deshalb gerade den Direktimport aus Kathmandu auf, mit Herkunftsnachweis bis zum Sammelgebiet.
Zwei Stoffe werden wir nicht nachbestellen: Jatamansi und Rotes Sandelholz stehen in Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens, und Nepal verbietet die Ausfuhr der rohen Jatamansi-Wurzel. Das respektieren wir, auch wenn es ein Verkaufsargument kostet.
Räucherwerk ist ein Ritual- und Genussprodukt. Wir machen keine Heilversprechen. Alles, was den Pflanzen an Wirkung zugeschrieben wird, ist Überlieferung — nicht mehr und nicht weniger. Bitte gut lüften, nichts einnehmen, nicht unbeaufsichtigt brennen lassen.
Das Booklet zur Linie — kostenlos
„Der Rauch des Himalaya“ — alle Rezepturen, die wir finden konnten, dazu Kurzporträts der nepalesischen Räucherpflanzen mit dem, was ihnen traditionell zugeschrieben wird. Als PDF zum freien Herunterladen. (Der Download-Link kommt hier hinein, sobald das Booklet fertig ist.)